«Manchmal ist Wasser härter als Stein»

Schreibe einen Kommentar
Unterbäch | Seit fast drei Wochen hämmern, sägen und schleifen Kunstschaffende aus  aller Welt im Rahmen des ersten «Internationalen Sculpture Symposiums» in Unterbäch. Nun sind die Arbeiten fertig. «Rütli der Schweizer Frau» lautete das Motto bei der ersten Austragung des Symposiums, das bis am 18. September ausgetragen wurde. Unterbäch war 1957 die erste Gemeinde in der Schweiz, die ihre Frauen abstimmen liess. «Das Thema soll auch immer in einer Beziehung mit dem Dorf stehen», erklärt Bernhard Wyss, Gemeindepräsident von Unterbäch. Die zwölf Künstler aus Europa, Asien und Australien versuchten das Thema Gleichberechtigung auf eine diskussionsanregende Art in ihren Skulpturen zu verewigen.

Streben nach Annäherung

Kugelmensch. Jacky Orler liess sich vom Kugelmenschen Platons inspirieren. 
Die einzige Vertreterin der Schweiz, Jacky Orler, liess sich vom Kugelmenschen Platons inspirieren. Unten in der Skulptur ist der kugelförmige, vollkommene Mensch noch erkennbar. Nach der Trennung strebt dieser eine Wiederannäherung zu seiner anderen Hälfte an. «Die beiden Geschlechter fühlen die Verbundenheit, entwickeln sich weiter und suchen die Nähe zueinander», erklärt die Schöpferin dieser eindrucksvollen Skulptur. Die Liebe zum Holz wurde in der Familie der Glarnerin immer schon gelebt und entflammte früh ihre Leidenschaft. Schon seit ihrer Kindheit arbeitet sie mit diesem «warmen» Werkstoff, worauf sie sich zur Holzbildhauerin ausbildete. Währenddessen versucht Steinbildhauerin Birgit Grapentin aus Australien mit ihrem Werk namens «Momentum» eine verwandte Entwicklung darzustellen. Sie erklärt: «Meine Inspiration kam von einer gebrochenen Schallplatte, die immer dieselben Argumente reproduziert, um die Unterdrückung der Frauen zu rechtfertigen.» Ihre Skulptur aus italienischem Granit zeigt nun eine Spirale, die einen Prozess der Weiterentwicklung visualisieren soll.
«Im Prozess des Schaffens lebe ich auf – art is life» Yang Liu Steinbildhauer aus China

Beeindruckt von der Bergkulisse

Momentum. Die Australierin Birgit Grapentin will mit ihrem Werk die Reproduktion der ewig gleichen Argumente darstellen
Als Weltenbummler hat der Steinbildhauer Yang Liu aus China schon an unzähligen Orten gearbeitet und sein Werk quer über die Weltkarte verstreut. Er freut sich aber besonders, wie seine fertiggewordene Skulptur mit der imposanten Bergkulisse interagiert. Der lebensfreudige Künstler knotete seine Skulptur mit einem roten Seil zusammen. «Das Seil ist eigentlich schwach und der Stein ist stark», erklärt der Chinese, «doch manchmal ist Wasser härter als Stein.» Eine Inversion der Stärkeverhältnisse–auf aussergewöhnliche Weise inszeniert.

Öffentlichkeit weckt Neugier

Der grosse Pluspunkt dieses Symposiums war der Austausch mit der einheimischen Bevölkerung. Bei dem Entstehungsprozess von zwölf Skulpturen hautnah dabei sein zu können und den Schaffenden bei der Arbeit über die Schultern schauen zu können, war eine einmalige Sache. Die Künstler schätzten den Umgang mit den Interessierten und das Miteinander im Künstlerkreis. Die lokale Bevölkerung zeigte ihr Interesse und liess sich zu Interpretationen der verschiedenen Skulpturen hinreissen. An einigen Skulpturen wurde noch am Freitagabend gehämmert und geschliffen, an anderen nur noch Feinheiten ausgebessert. Am Sonntag fand schliesslich die offizielle Präsentation der Kunstwerke statt.
Bei regnerischem Wetter bestaunte das Publikum am Sonntag die fertigen Werke.
Einige Tage später stehen die Skulpturen bereits an ihrem festen Standort.   

 

Ein Beitrag geteilt von Imhof Daniela (@imhdan72) am

 
Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.