Tausendfache Wiedergeburt des Punks

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Punk lebt – immer und überall! Egal ob Stadt oder Land, Bahnhof Zoo oder Bahnhof Gampel. Dann und wann sieht man sie immer noch, die farbigen Irokesenträger. Metallnieten, karierte Hosen, leinenlose Hunde, an den Füssen Dr. Martens und im Ohr eine Sicherheitsnadel. Doch über die Jahrzehnte hinweg musste der klischeeumrahmte Bierdosenpunk an Fläche einbüssen. Denn das bestialische Verlangen des Monsters namens Popkultur verschlang die Provokationen der aufmüpfigen Punks. Die Tage sind gezählt, bis Justin Bieber in einem Ramones oder The Clash Band-shirt die Bühnen dieser Welt bepoppen und jedem Irokesenträger das Verlangen nach Bandshirts entziehen wird. Die Löcher in den Jeans der modebewussten Jugend entstehen heute nicht mehr durch Strassenproteste und zeugen nicht mehr von einer postmaterialistischen Überzeugung, sondern werden in den Fabriken im globalen Süden planmässig so eingenäht und blicken später von den Hochglanz-Mode-Zeitschriften.

«Der Punk in Campino ist zwar gestorben, lebt aber in seinen Lied-Klassikern weiter»

Punk war in den 1980er-Jahren eine Jugendkultur: Musik und Mode, Mut zum Dilettantismus und Denkmuster ohne Respekt gegenüber den geltenden Normen. Dafür selbstbestimmt und autonom – ein Punk lebt, wie es ihm gefällt. Die Anti-Bewegung hat es nicht nur in besetzte Häuser geschafft, sondern relativ bald auch in den Mainstream. Und sich durch die Kommerzialisierung den Wind aus den Segeln genommen. Der Punk in Campino ist zwar gestorben, lebt aber in seinen Lied-Klassikern weiter. Die Punk-Bewegung musste tausend Tode sterben, sein Geist ist aber mindestens ebenso oft in einer jungen Punkband, die sich gegen die Rassisten dieser Welt und das Establishment aufbegehrt, wiedergeboren. Zwar ist der Geist des Punks heute schwieriger sichtbar geworden und nicht mehr an einer giftgrünen Irokese erkennbar, aber seine Antihaltung lebt in linksautonomen Bewegungen weiter. Bis heute verteidigen Autonome die besetzten Kulturzentren in den Grossstädten. Antifaschistische und anarchistische Sprüche springen den im Alltagsstrudel versunkenen Stadtbewohnern ins Auge. Und auch wenn es bei vielen Betrachtern nur für ein Kopfschütteln reicht, zumindest zeigt es eine Alternative auf. Punk versinkt nicht im Untergrund, sondern bleibt sichtbar. An den Bahnhöfen jeder Stadt werden sie weiter ihre Bierdosen zerdrücken. Und auf ihre eigene Art und Weise protestieren. Für eine Welt, in der man sich die Regeln selber auferlegt. Für eine Welt, in der man so lebt, wie man will.

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