«Theater ist eine Charakterschule»

Schreibe einen Kommentar

Brig-Glis | Das Briger Studententheater hat mit Barbara Terpoorten eine neue Regisseurin gefunden. Sie will Professionalität vermitteln, Rhetorik fördern und alle zum Zug kommen lassen.

Barbara Terpoorten, wann standen Sie zum ersten Mal auf der Bühne des Studententheaters?

«Oh, wann war das wohl? Das muss Anfang der 1990er-Jahre gewesen sein. Ich spielte damals unter Engelbert Reul. Rund um ihn formierte sich damals eine coole Clique. Da entstanden Freundschaften und man merkte, dass man als Theaterinteressierter nicht allein dasteht.»

Und wo wären Sie heute ohne das Studententheater?

«Schwierig zu sagen. Im Wallis gibt es eine gute Szene im Laienschauspiel. Ich konnte bei der Bühne Mörel und im Freien Theater Oberwallis mitspielen. Dort vorzusprechen hätte ich mich wohl nicht getraut, hätte ich mich zuvor nicht im Studententheater versuchen können.»

Also soll das Studententheater einen geschützten Rahmen bieten, um sich an die Schauspielerei heranzutasten?

«Absolut. Jeder, der Lust hat, soll mitspielen dürfen. Ich sehe es als Aufgabe des Studententheaters an, dass jeder mitspielen darf. Es ist unsere Aufgabe, dass wir Stücke finden, in denen Interessierte Platz haben und eine Rolle bekommen, in der sie brillieren können. Es sollte so sein wie im Sport: Man verbietet auch niemandem, Fussball zu spielen.»

Und wie stark interessiert sich die Jugend für das Theater?

«Ich finde, das Interesse am Theater hat nicht abgenommen. Obwohl die Schüler viel Zeit opfern müssen, haben sich nun 17 gemeldet. Das freut mich, ist zugleich aber auch eine Herausforderung.»

Auch im Hinblick auf die Wahl des Stücks?

«Genau. Wir haben das Stück nach der Anzahl der Interes sierten ausgewählt. Wir kamen dann auf eine moderne Adaption frei nach Friedrich Schillers ‹Die Räuber›. Solche Klassiker eignen sich wunderbar, da sie Dinge ansprechen, die immer noch aktuell sind.»

Was wollen Sie bei den Schülern bewirken?

«Schauspiel ist eine Ausdrucksmöglichkeit, aber auch ein Handwerk. Wie ein Instrument muss man es kennen und üben. Heute ist es sehr wichtig, sich zu verbalisieren. Rhetorik ist da sehr wichtig.»

Und bildet den Charakter?

«Theater ist eine Lebensschule, eine Charakterschule. Die Schauspielerei bietet Leuten, die sonst nicht so laut sind, ei- ne Plattform. Sie zeigt ihnen, dass es ein gutes Gefühl sein kann, vor hundert Leuten zu stehen, zu spielen und alle Augen und Ohren richten sich auf sie. Das verleiht ein enormes Selbstwertgefühl.»

Etwa wenn zwischen Spieler und Publikum ein Draht entsteht?

«Die Bühne bietet ein echtes, ein ehrliches Bild. Man erhält ein direktes Feedback vom Publikum, das viel realer ist als etwa auf den sozialen Netzwerken. Steht man auf der Bühne und merkt, dass man im Publikum Gefühle auslösen kann, stärkt das den Charakter enorm.»

Spüren Sie das heute noch?

«Auf der Bühne merkt man, dass man durch seinen Einsatz Ideen und Energie im Zuschauer freisetzt und diesen im besten Fall sogar inspiriert. Die- ses Gefühl will ich vermitteln. Gleichzeitig ist es auch ein grosser Nervenkitzel, ob man es an diesem Abend schafft. Da lie- gen die Nerven oft blank. Noch heute denke ich vor einer Premiere: ‹Was tu ich mir da eigentlich an›? Die Reaktion aus dem Publikum macht das aber allemal wett.»

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.