Ich, der König

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Martinach | Die Gala des FC Sitten ist mehr als Sauerkraut und Rotwein. CC schafft einen Ort des Exzesses und der Dekadenz. Und nicht zuletzt versucht Christian Constantin seine Rolle als König für ein weiteres Jahr zu festigen. In diesem Jahr war der Kater aber schon am Fest spürbar – wegen dem drohenden Abstieg?

 

«Et maintenant, que vais-je faire?», singt CC verkleidet als Elvis Presley. Wie weiter?

Diese Frage haben sich in letzter Zeit nicht nur Fans des FC Sitten immer wieder gestellt, sondern wohl auch der Klubpräsident selbst. Das letzte Jahr war eines der schlimmsten in der Klubgeschichte. Sowohl sportlich als auch menschlich: der erste verlorene Cup-Final in der Vereinsgeschichte und am Ende der Tabelle; der Ohrfeigen-Eklat und das Stadionverbot für Vater und Sohn.

Es scheint fast so, als wäre die Sauerkraut-Gala die letzte Constantin’sche Bastion. Hier ist er der Alleinherrscher. Hier dominieren Dekadenz und Exzess. Hier feiert er sich und seinen Club. Hier ist er das Epizentrum.

 
Ein König für eine Nacht
 

Nach dem Apéro nehmen die 7500 Gäste in Martinach Platz. Jeden Moment folgt der eigentliche Grund, weshalb Tausende Leute zwischen 190 und 490 Franken bezahlen. Gemeint ist nicht etwa das obligate Sauerkraut-Gericht mit Schweineohren. Tausende Augenpaare wollen sehen, wenn Constantin für einen Abend lang herumalbert. CC schlüpft aber nicht in irgendwelche Rollen. Er feiert sich als Jesus, als Napoleon, als King of Rock – kurzum: Constantin wird ein König.

Zwar behält er diese Rolle nur für eine Nacht. Diese Inszenierung als der Grosse Constantin, dieses ehrfürchtige Gefühl hallt während des Jahres aber manchmal nach. Wenn Sitten den Cup holt, einen gesamten Kanton in Ekstase versetzt, dann sowieso. CC ist aber auch da, wenn die Tränen fliessen.

CC ist ein grosser Elvis-Fan
 

Der Countdown zählt hinunter, die Musik untermalt die Spannung. Dann heisst es Film ab! Um dem diesjährigen Motto gerecht zu werden, liess es sich Christian Constantin nicht nehmen, extra nach Las Vegas zu fliegen. Dort drehte er mit seiner Crew vier Tage lang den Kurzfilm zum Sauerkraut-Fest namens «Valais Bad Trip». In schönster «The Hangover»-Manier geht der FC-Sitten-Boss nach einer durchzechten Nacht in der Casino-Stadt verloren. Nach einer Zickzack-Suche taucht er plötzlich wieder auf – als Elvis Presley.

 

Nach dem äusserst professionell produzierten Film fuhr CC zusammen mit dem französischen Zauberer Eric Antoine und seinem wahnsinnigen Lachen in die Festhalle in Martinach ein. Mit Scheinwerferlicht und einer Cabriolet-Version eines roten Ford Mustang.

Auf der Bühne gab sich Constantin umringt von leicht bekleideten Damen als Frauenheld. Hinter dem Mikrofon stand er allerdings nicht allzu lange. Nach einer Strophe übergab er mit einem Schnippen an den King of Rock. Elvis Presley prangte von den Bildschirmen, während CC von der Bühne verschwand. Ein kurzer, aber sehr eindrücklicher Auftritt des Klubpräsidenten, der selbst ein grosser Fan des amerikanischen Sängers ist.

Im Jahr 1977 flog Constantin zusammen mit seinem Xamax-Mitspieler Jean-Michel Decastel nach Hawaii. 15 000 Franken liessen sich die beiden den Trip kosten, mit einem Ziel: den König des Rock live erleben. Ein paar Monate später starb Elvis. CC bleibt bis heute ein grosser Fan.

Folgt der Klub dem Präsidenten?
 

Nach der imposanten, aber doch etwas sehr kurzen Show vermochten die anderen Auftritte der Musiker und Komödianten den Auftritt des Klubpräsidenten nicht mehr zu überbieten. Die Luft nach dem Sauerkraut essen war draussen. Und irgendwie war die ernsthafte Realität des Sonntags – ein harter Abstiegskampf und ein kleiner Kater – bereits am Fest in Martinach spürbar. Es war ein kurzes, aber ein sehr beispielhaftes Aufbäumen des Klubpräsidenten. Ein Aufbäumen, ein Kraftakt, die auch der Fussballklub in den nächsten Wochen leisten muss. Zumindest wenn er den Abstieg in die Challenge League verhindern will.

Ob Abstieg oder Klassenerhalt – egal, wie die laufende Saison zu Ende geht. König Constantin wird da sein und irgendwann wieder auferstehen. Zumindest für eine Nacht. Zumindest als King of Sauerkraut.

 
 
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