Essay

Ich bin dann mal weg

300 Tage haben wir gespielt. Krieg kann es immer geben, haben sie gesagt. Wir haben gespielt, dass irgendwas passieren könnte. Ich denke an den letzten Krieg, der hier wohl gewütet hat. Lange ist es her, stets verschont sind wir geblieben von den Gräueln des Krieges. Und trotz der Zeit, die verflossen ist und den Erinnerungen an Kriege, die wir nur aus den Geschichtsbüchern kennen, spielen wir weiter Krieg. Jedes Jahr rücken Tausende Männer und ein paar Frauen in Kasernen ein, bekommen Gasmasken, einen ABC-Schutzanzug und verschweissen ein frisches Paar Unter-hosen und einen Farmer in einen Plastiksack. Nur für den Fall. Aber für welchen Fall? Meistens haben wir nur gewartet.

Wein in den Beinen

Die «Wiiwanderig» riecht nach Raclette, Wein und Schweiss. Sie schafft eine Brücke zwischen den zwei Teilen des Wallis. Sie fühlt sich an wie gute Stunden mit Freunden. Sie klingt nach anstossenden Gläsern, sie staubt und strengt an. Sie macht betrunken und vergesslich, sie bringt einige am Tag danach zum Fluchen. Doch vor allem ist die «Weinwanderung» eine wunderbare Mixtur aus Natur und Genuss. Sie ist das Wallis.

Am Anfang war der Rausch

Der Rausch ist verlockend, gefährlich, ein zentraler Bestandteil des menschlichen Wesens. Und er hat uns wohl zu dem gemacht, was hier heute sind. Weshalb der Mensch sesshaft wurde? Weshalb sich Jäger und Sammler zu Ackerbauern entwickelten? Wegen dem Bier. Zumindest ist das eine griffige These von Evolutionsbiologen. Am Anfang war das Bier. Und davon werden an diesem Wochenende in Gampel rund 128 000 Liter ausgeschenkt und getrunken. Und verschüttet.