Reportage

Leuker Ohren lauschen ins All

Donat Locher steht auf der Plattform, sieht drei Dutzend riesige Antennen, die ihre Ohren in den kaltblauen Himmel strecken. Umgeben werden sie von Betonmauern und Zäunen. Alles umfasst mit Stacheldraht. Der kräftige Wind bläst und pfeift durch die Anlage, ein Gefühl der Isolation macht sich breit. Donat Locher sagt: «Hier oben fühlt es sich an wie auf einer Ölplattform.»

Auf den Spuren von J. R. R. Tolkien

Moosfluh, 2333 Meter über Meer. «Heute gehen wir auf Wegen, die Tolkien zu ganz Grossem inspiriert haben», sagt der Tolkien-Kenner Bastian Keckeis mit Blick auf den Grossen Aletschgletscher. Zwischen schroffen Felswänden und Berggipfeln schlängelt sich der Eisriese seinen Weg durch das Tal. Schneebedeckt und nebelverhangen wacht die Jungfrau über dem ewigen Eis.
Ein Berg, der den Kanton Bern vom Wallis trennt, und ein Berg, der einen jungen Mann für den Rest seines Lebens in den Bann ziehen kann. Mit 19 Jahren sah J. R. R. Tolkien denselben Gletscher, dieselben Berge. Seine Augen erblickten zum ersten Mal die Alpen. Besonders die Jungfrau und das Silberhorn imponierten ihm. Noch 50 Jahre später schrieb er seinem Sohn Michael, dass er den Blick auf die Jungfrau «mit grossem Bedauern» verliess. Das Silberhorn wurde zur «Silberzinne seiner Träume». Der Anblick der Natur brachte seine Fantasie ins Rattern. Aus den Walliser Bergen schuf er das Nebelgebirge. Dort liess er Zwerge wohnen, Trolle wüten und Frodo beinahe scheitern.

Ein Sprung ins Nichts

Ich stehe auf einer schmalen, beinahe hundert Jahre alten Brücke. Mein Blick geht zwischen zwei Felswänden in Richtung Val d’Anniviers. In anderen Momenten könnte ich diesen Ausblick gewiss geniessen. Heute nicht. Entgegen der Anweisung der Instruktorin geht mein Blick nach unten. Vor meinen Zehenspitzen ein grosses Nichts. Und nach 190 Metern ein Auffangnetz.

Ein tropischer Gast

Schon auf dem Weg zu den Leukerteichen richtet der Vogelkenner Lukas Venetz meinen Blick auf den einen oder anderen Vogel. Er stoppt und zeigt mit dem Finger auf einen Baum: «Hinter dieser Baumreihe kannst du einen Graureiher sehen. Und über uns kreist ein Schwarzmilan.» Ein paar Hundert Meter vor den Leukerteichen: «Die Bienenfresser sind noch hier. Hörst du sie?»

Ein Kampf für das eigene Dorf

Die Situation eskaliert. Ein blutverschmierter Protestler geht mit zornverzerrtem Gesicht auf einen Polizisten los und will Rache. Leuchtfackeln färben den Platz mit zusätzlicher Explosivität ein. Rauch strömt aus Fässern und nebelt den ganzen Platz ein. Geschrei und Schläge auf die Schutzschilde sind zu hören. Eine Trillerpfeife und ein lautes «Cut!». Der Radau lässt nach. Aus den Gesichtern der Statisten weicht die Wut einem Lächeln. Acht Stunden standen die Statisten zunächst in der heissen Sonne, dann im Regen und zum Schluss unter dem Strahl eines Wasserwerfers. Ein strapazierender Tag geht für die Laienschauspieler zu Ende. Und im Kasten sind fünf Minuten «Capelli Code».